Das große Bild des Zolls verstehen

Erster Durchgang des AWA Spezial-Seminars zum Zollrecht für Auszubildende

Hamburg. 11.00 Uhr. Die Köpfe rauchen. Britta Matschuk spricht über die „Bill of Lading“, einen Schiffsfrachtbrief und Warenpapier. Konzentriert lauschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Worten der Dozentin. Wir befinden uns in einem Seminarraum des Novotel Hamburg City Alster. Hinter der Diplom-Finanzwirtin Britta Matschuk geben große schwarze Buchstaben auf Flipchart-Papier Auskunft über die Bezeichnung der Zollstellen und über den Zollstrich für die Einfuhr. Es ist der zweite Tag des Spezial-Seminars „Start up Zoll für Auszubildende“ der AWA AUSSENWIRTSCHAFTS-AKADEMIE GmbH. Auf dem Lernprogramm stehen heute unter anderem die Prüfung einer Einfuhrzollanmeldung und die Zollwertermittlung unter Beachtung der Incoterms.

„Im Seminar möchten wir Auszubildenden ein großes Bild des Zolls vermitteln. Sie sollen lernen, was die Ein- und Ausfuhr ist. Das Seminar soll kein Drei-Tage-Monolog werden. Gruppenarbeiten, Praxisbeispiele und individuelle Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen im Vordergrund“, betont Dozentin Britta Matschuk. „Die kleine Gruppengröße ist dabei ideal. Jeder hat die Möglichkeit intensiv mitzuarbeiten und sich einzubringen.“

Zoll – mehr als das Öffnen von Paketen und Kontrollieren von Waren

Einen Vorteil in der Seminargröße sehen auch die acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die entweder eine Ausbildung zum Industriekaufmann/-frau oder zum Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel durchlaufen oder gerade abgeschlossen haben. Zwei von ihnen sind Tanja Stelljes (21 Jahre), die zurzeit ihre Ausbildung als Industriekauffrau absolviert, und die 20-jährige Lea Heinold, die sich im zweiten Lehrjahr zur Euro-Industriekauffrau (Industriekauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch) befindet. „Es herrscht eine sehr entspannte Lernatmosphäre. Man hat keine Angst davor, Fragen zu stellen, weil die Gruppe ausschließlich aus Auszubildenden besteht, die größtenteils über das gleiche Zollwissen verfügen wie man selbst. Die Dozentin erklärt die komplexen Inhalte sehr lebhaft und mit vielen Beispielen. Das hilft dabei, die Inhalte zu verstehen. Zum Thema Zoll lernt man viel mehr als in der Berufsschule“, sagen Tanja Stelljes und Lea Heinold.

Was erhoffen sich die Auszubildenden von der Teilnahme am AWA Spezial-Seminar? Dominik Gerwing (20 Jahre): „Ich arbeite in der firmeneigenen Zollabteilung. Von der Teilnahme an dem Seminar erhoffe ich mir, meine Grundkenntnisse zum Zoll auffrischen zu können. Zum Beispiel haben wir gerade über den Zollwert gesprochen. Der Zollwert war mir vor dem Seminar bereits ein Begriff, nicht aber, wie er sich genau berechnet und wie er sich zusammensetzt. Das haben wir heute gelernt. Außerdem möchte ich mit meinem Seminarbesuch den Grundstein legen, um in weiteren Seminaren mein Wissen im Zollbereich auszubauen. Ein weiterer Grund für meine Teilnahme sind die Schulungsunterlagen. Es kann nie schaden, wenn man auf diese auch in Zukunft zurückgreifen kann. Vor meiner Ausbildung verband ich mit dem Thema Zoll ausschließlich das Öffnen von Paketen und das Kontrollieren von Waren. Inzwischen habe ich Zoll von einer anderen Seite kennengelernt. Das ist keine stumpfe Routine, sondern ein Arbeitsgebiet, das sehr facettenreich ist. Im Seminar erhalten wir einen guten Gesamteindruck des Zollrechts. Mir gefällt die Vorstellung, ein Spezialist auf diesem Gebiet zu werden.“

Pratheep Somasundaram, 27 Jahre alt und im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Industriekaufmann, arbeitet im Bereich Versandlogistik und Zollwesen. Warum hat er sich für den Besuch des Seminars „Start up Zoll für Auszubildende entschieden?“ Somasundaram: „Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich schwerpunktmäßig mit der Warenausfuhr in Drittländer und mit Ursprungszeugnissen zu tun. Das ist natürlich nur ein Teilaspekt der Versand- und Zollabwicklung. Mir geht es darum, die Zusammenhänge zu verstehen, deshalb habe ich mich für den Seminarbesuch entschieden. Nach meiner Ausbildung ist geplant, dass ich weiterhin im Bereich Versandlogistik und Zollwesen im Unternehmen tätig bin. Daher werde ich 2018 das Basis-Seminar Zoll der AWA besuchen, um mein Wissen auszubauen.“

Fachkräfte werden händeringend gesucht

Matthias Merz, Geschäftsführer der AWA, über das Spezial-Seminar „Start up Zoll für Auszubildende“: „Natürlich ist das vermittelte Wissen geballter Fachinput, aber dieser Fachinput zahlt sich mittel- und langfristig aus. Wenn die Auszubildenden ihr Fachwissen auch nach dem Seminar festigen und vertiefen, kann sich das außerdem äußerst positiv auf ihren beruflichen Werdegang auswirken. Fachkräfte werden im Zollbereich händeringend gesucht. Wer sich mit der Materie auskennt, dem stehen die Türen in der Berufswelt offen. Deutschland ist exportorientiert, jede zweite Lieferung ist eine Ausfuhr. Durch sachkundiges Personal können sich Unternehmen einen enormen Wettbewerbsvorteil verschaffen und Zeit sowie Kosten sparen. Beispielswiese zieht eine falsch ausgefüllte Zollanmeldung einen Rattenschwanz an Folgeproblemen nach sich. In den Berufsschulen wird das Thema Zoll kaum behandelt. Zoll ist ein sehr ernstzunehmender Bereich, aber man muss keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen oder Strafen fürchten, wenn man über das nötige Fachwissen verfügt und weiß, was man tut. Die AWA möchte Unternehmen, die Außenhandelsgeschäfte betreiben, das nötige Rüstzeug an die Hand geben, um rechtssicher handeln zu können. Natürlich zählt dazu auch die kontinuierliche Schulung von Nachwuchskräften. “